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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Robin fehlt – oder wie ich Pflegestelle für Retriever & friends wurde



Retriever & friends
15.01.2020, 15:11
Dagmar (nick Robin_Hund) über ihre Erfahrungen als Pflegestelle bei Retriever & friends e.V.


Vor einem Jahr - am 4. Januar 2019 - mussten wir unseren Robin mit 10,5 Jahren über die Regenbogenbrücke gehen lassen.

Mein erster, eigener Hund, ein schwarzer Labrador mit einem tollen Charakter. Er war mein Seelenhund und er fehlt mir immer noch so sehr. Wenigstens hatte ich noch Skipper, unseren 8-jährigen blonden Labradorrüden, den ich im Februar 2011 von Retriever & friends adoptiert hatte – aber er ist leider ein „Männerhund“.

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Glaubt ihr an Schicksal/Vorsehung?

Ich schon, denn ein paar Wochen später sah ich auf Facebook einen Hilferuf einer Tierschutzorganisation für Paul (schwarzer Labradorrüde 10 Jahre alt). Soweit ich mich erinnern kann, musste sein Herrchen ins Pflegeheim und niemand aus der Familie konnte ihn übernehmen, weshalb dringend ein neues Zuhause, oder wenigstens eine Pflegestelle gesucht wurde. Da er aussah wie mein Robin, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, ihn aufzunehmen. Bei einem Vergleich hätte Paul garantiert den Kürzeren gezogen und dies wäre ihm gegenüber nicht fair gewesen. Zudem wollte ich ja Robin nicht ersetzen, das kam mir falsch vor.


Ein paar Tage später hat meine Tochter mir den gleichen Link zugeschickt. Paul ging mir nicht mehr aus dem Kopf: Er sah aus wie Robin. Was, wenn er ein Bruder von ihm war, der nun Hilfe brauchte? Robin war ein P-Wurf mit 13 Welpen wovon 10 Rüden waren, darum hieß er eigentlich auch Purzel – Purzel für einen schwarzen Labrador, das ging in meinen Augen gar nicht!

So hab ich bei Facebook nach dem Posting zu Paul gesucht und es nach einigen Stunden auch wieder gefunden. Aber diesmal habe ich mich dort als Pflegestelle beworben. Tage vergingen und ich habe leider keine Antwort bekommen. Dennoch dachte ich in den folgenden Wochen immer wieder über das Thema Pflegehund nach – Robin fehlte so sehr. Mich lies das Gefühl nicht los, dass er hinter der Regenbrücke sitzt, mit dem wissenden Blick, mit dem er mich oft angesehen hat, und er mir sagen will: „Mama, du kannst mir nicht mehr helfen, da wo ich jetzt bin, aber ich habe nun keine Schmerzen mehr und ich hatte ein schönes Leben mit dir. Es wäre toll, wenn Du meinen Verwandten, die nicht so viel Glück hatten wie ich, zeigen würdest, wie schön das Leben sein kann. Sei nicht traurig, mir geht es gut.“

Deshalb habe ich mich dann wieder bei Retriever & friends beworben – diesmal als Pflegestelle.
Kurz darauf würde ich angerufen. Ich wurde nach meinen Vorstellungen gefragt und, nachdem ich 2011 schon bei Retriever & friends – damals ja durch die Adoption von Skipper - gewesen bin, ging alles ganz problemlos. Da wir im ersten Stock wohnen, wollte ich lieber einen zierlichen Hund. Bei ehemaligen Zuchthunden hat man allerdings nie so viele Informationen. Darum habe ich mich für eine Hündin entschieden – am besten nicht schwarz und auch nicht blond, damit sie keiner mit Skipper verwechselt.

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Nur so viel noch zum Schluss: Ich habe es nicht bereut!
Wir mussten uns zwar wieder von den vier Hunden verabschieden, aber sie haben alle ein tolles, neues Zuhause bekommen. Dazu sollte ich noch sagen, dass ich von Retriever & friends – wenn eine passende Bewerbung für den Hund da ist – jedes Mal gefragt wurde, ob ich ihn/sie behalten will. Es war zwar jedes Mal eine schwere Entscheidung, trotzdem genau die richtige.

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Nur so kann ich weiterhelfen – die Hunde können ja nichts dafür.

Es erstaunt mich immer wieder, wie toll sie sich entwickeln: Zu Anfang unsicher und oft nicht so gut gepflegt. Aber mit jeder Woche tauen sie mehr auf. Vielleicht hatte ich ja bisher immer Glück mit meinen Pflegehunden, denn es ist jedes Mal ein „Überraschungspaket“ und jeder Hund ist anders. Eventuell liegt es auch an unserem Skipper, dass wir den neuen Familien einen tollen Hund weitergeben können. Bei jedem der vier haben wir Menschen was Neues gelernt und sie haben uns alle zum Lachen gebracht (durch plötzliches Treppen laufen, mit einer Selbstverständlichkeit, als ob dies nie anders gewesen wäre; durch die Entführung von Socken oder Schuhen und die Jagd danach um den Baum herum; durch souveränes Klopfen an der Terrassentüre und später auch an allen anderen oder auch nur durch die hartnäckige Einforderung von Streicheleinheiten mit der Pfote), natürlich war es auch oft anstrengend, besonders wenn die Hündinnen läufig wurden. Meine Pflegstellenbetreuung hat mir mit ihren Tipps viel geholfen, da konnte ich auch „ausweinen“, wenn es mal gar nicht funktioniert hat. Anfangs haben wir öfter telefoniert, viel gelacht und Erfahrungen ausgetauscht. Inzwischen gehöre ich schon zu den „alten Hasen“- behauptet sie zumindest - vielleicht sollte ich sie wieder öfter anrufen?? Leider kenne ich sie nur übers Telefon, aber wir haben einen guten Draht ;-)

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Mit den neuen Familien habe ich weiterhin Kontakt und bekomme oft Fotos und Videos von meinen Pflegehunden geschickt. In der Weihnachtszeit habe ich sogar zwei Pakete bekommen, eins mit Leckereien für uns und Skipper und das andere mit einem tollen Kalender (mit wunderschönen Fotos von der silbernen Hündin) - da war ich wirklich sehr gerührt. Es ist so schön zu sehen wie sich die Hunde weiter entwickeln und wie gut es ihnen geht. Genau deshalb bin ich gerne Pflegestelle und begleite diese Hunde ein Stück ihres Weges. Sie haben alle ein tolles Zuhause bekommen und wenn wir mal in deren Nähe sein sollten, werden wir sie auch besuchen.

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Und ich bin mir sicher: Irgendwann werde ich einen zweiten Labrador behalten.
Bisher war „mein“ Hund noch nicht dabei und unser Skipper hat da ja auch ein Mitspracherecht. Obwohl fast alles Labradore waren, so hat doch jedes Tier seinen eigenen Charakter und seine Eigenheiten.

Nächsten Sonntag wird nun der nächste Pflegehund bei uns einziehen. Ich bin schon sehr gespannt auf den schokobraunen Burschen und freue mich zu sehen, wie er sich entwickelt und was er mir beibringt.