Ein R&f Hund kommt selten allein…
Philipp über die Adoption der beiden R&f-Hunde Lilly & Henry


Es war ein Abend im Februar 2018, als ich über einen Facebook-Aufruf von Retriever & friends e.V. eine Golden Retriever Hündin mit 12 Jahren entdeckte. Sie suchte eine Pflegestelle. Oder eine Pflegestelle mit Bleibeoption. Mein Blick fiel auf die Hundekörbchen neben dem Sofa. Darin schlummerten friedlich Charly und Krusty, unsere beiden 14 und zehn Jahre alten Golden Retriever-Rüden. Die Vorstellung, dass unsere Rentner-Gang in diesem fortgeschrittenen Alter nochmal ein neues Zuhause suchen müsste, machte mich unendlich traurig.




Meine Frau entdeckte den Post natürlich auch und sagte sofort: „Komm, das passt doch altersmäßig optimal zu uns“. Und schon war die Bewerbung geschrieben. Von Anfang an war uns klar – wenn alles klappt, soll die alte Lady auch nicht mehr umziehen müssen.


Nur wenige Tage später bekamen wir einen Anruf von R&f. In einem äußerst netten Gespräch erfuhren wir ein wenig mehr über Lilly, die ihr Zuhause aufgrund privater Umstände verlor, dass sie mit ihrem Sohn Henry zusammengelebt hatte, der bereits seine Pflegestelle gefunden habe und, dass unsere Bewerbung tatsächlich gut passen könnte. Eine Vorkontrolle wurde blitzschnell organisiert und danach stand fest:
Wir werden Lillys Pflegestelle – und wahrscheinlich auch ihr Für-Immer-Zuhause.




Nie werde ich den Moment vergessen, als wir Lilly auf einem Parkplatz in der Nähe von Frankfurt übernahmen. Die kleine, zierliche Hündin wirkte gar nicht wie eine Seniorin. Sie war aufgeregt, stieg aber sofort in unser Auto ein und fuhr ruhig ihrem neuen Zuhause entgegen. Die Zusammenführung mit unseren Hunden klappte problemlos und schnell integrierte sich Lilly in unser Rudel. Und eigentlich war uns von Anfang an klar: sie wird natürlich hierbleiben.




An dieser Stelle hätte ich gerne mit einem Happy End geschlossen und es wäre ein Artikel zur Pflegestelle mit Bleibeoption geworden – aber es kam anders.

Obwohl erst zehn Jahre alt, verstarb unser Krusty kurz darauf nach kurzer, schwerer Krankheit. Wir waren unendlich traurig und es war wie ein Geschenk des Himmels, dass Lilly unseren alten Charly ablenkte und motivierte. Er litt sehr unter dem Verlust seines langjährigen Gefährten – und ich glaube, es war das erste Mal in all den Jahren, dass er sein Futter verweigerte. Mit Lilly an seiner Seite fing er sich allerdings wieder. Unser Haus fühlte sich trotzdem plötzlich so leer an. Wir hatten uns auf drei Hunde eingestellt. Und wir hatten gesehen, wie sehr diese beiden Hunde aneinanderhingen.


Und bestimmt war es bei Lilly & Henry ähnlich. Sie hingen sicher auch aneinander, haben immerhin 8 Jahre Seite an Seite gelebt. Immer wieder lasen wir das Tagebuch von Henry – und beschlossen: wir holen Henry zu Lilly zurück.




Wir telefonierten mit Henrys Vermittlerin, schickten die Bewerbung – und dann ging alles ganz schnell. Wir packten unser Auto, fuhren mit Charly und Lilly nach Berlin und besuchten Henry in seiner Pflegestelle. Irgendwie hatten wir uns ausgemalt, wie bombastisch dieses Wiedersehen doch sein müsste – aber, es war erstaunlich unspektakulär. Lilly interessierte sich für alles im Haus und Garten mehr, als für Henry. Wir waren uns trotzdem sicher: Henry kommt mit.




Und so wuchs unser Rudel wieder auf drei Hunde.
Es war schön zu sehen, wie der oft sehr unsichere Henry in Gegenwart von Lilly, aber auch Charly, sich wohl fühlte.


Natürlich war es oft herausfordernd, zwei Hunde innerhalb von nur 6 Wochen aufzunehmen und an das neue Leben zu gewöhnen. Wir waren gewohnt, dass die Hunde hier immer freilaufen konnten, alleinbleiben war für einige Stunden kein Problem gewesen – all diese Themen allerdings mussten wir mit Lilly und Henry neu angehen. Lilly war nicht abrufbar und wir waren uns nicht sicher, ob wir das mit 12 Jahren noch bei ihr festigen können. Henry ist generell ein eher unsicherer Hund und zeigte bei uns von Anfang an Probleme bei Hundebegegnungen. Generell war er unheimlich schnell gestresst – oft reichte schon eine geschlossene Tür oder das Klingeln an der Haustür, wenn niemand zu Hause war. Trotz Lilly und dem absolut gechillten Charly demolierte er in solchen Situationen so manche Dinge, die ihm zwischen die Zähne kamen.


Wir beschäftigten uns intensiv mit beiden – und zwar getrennt voneinander. Wir gingen nacheinander mit jedem einzeln spazieren – oder getrennt - trainierten den Rückruf mit Lilly, arbeiteten mit Henry am Selbstbewusstsein und heute können wir nur sagen: es hat sich sowas von gelohnt. Beide sind absolute Traumhunde – und zwar jeder auf seine ganz spezielle Art. Sie hängen zwar immer noch sehr aneinander, aber noch mehr hängen sie jetzt an uns.


Mit gut 15 Jahren ist unser Senior Charly diesen Sommer über die Regenbrücke gegangen – und wir waren froh, dass Lilly und Henry sich in dieser Situation hatten.




Wir werden immer wieder gefragt, warum wir uns immer so alte Hunde aussuchen. Keiner unserer Hunde war unter 8 Jahren, als wir ihn adoptiert haben. Aber für uns haben die Senioren einen ganz besonderen Reiz. Ihnen einen schönen Lebensabend zu bieten, ist für uns eine Herzensangelegenheit. Und wir haben festgestellt: meistens werden sie auch völlig unterschätzt.