Von der Pflegestelle zum Pflegestellenversager...

Michaela (nick Minki) über ihre Zeit als Pflegestelle bei Retriever & friends e.V. (und die Adoption von Mischka):


Ich wollte schon als Kind gerne einen Hund haben, habe aber leider nie einen bekommen. Meine Eltern sagten immer: „Wenn Du mal alleine wohnst, kannst Du Dir einen ganzen Zoo zulegen.“ Dann kam zunächst das Studium, währenddessen ich auch meinen späteren Mann kennengelernt habe. Als gemeinsames Hobby haben wir das Turniertanzen für uns entdeckt, nach dem Studium geheiratet und wenig später kam unsere Tochter zur Welt. So war eigentlich auch nie wirklich Zeit für einen eigenen Hund. Aber ganz ohne Haustiere waren wir auch nicht, es liefen uns immer wieder Katzen zu, so dass wir zwischenzeitlich teilweise 5 (Freigänger)-Katzen beherbergten.

Der Wunsch nach einem eigenen Hund hat mich allerdings nie losgelassen - so wirklich gepasst hat es aber eben auch nie.
Mir kam dann die Idee, Pflegestelle zu werden und der Familienrat hat darüber dann doch einige Zeit diskutiert.

Anfänglich hatte mein Mann noch einige Bedenken, wie

  • wie gehen unsere hundeunerfahrenen Katzen damit um?
  • was ist, wenn er/sie nicht alleine bleiben kann, nicht stubenrein ist?
  • sich mit unseren Katzen nicht versteht?
  • mir das Herz bricht, wenn er/sie wieder gehen muss?


Letztendlich haben wir dann aber doch gemeinsam beschlossen, es zu versuchen. Und so machte ich mich schlau (Google sei Dank).
Mir war wichtig, dass es kein Auslandtierschutz war, da ich denke, dass es genügend arme Fellnasen auch hier in Deustchland gibt, außerdem liebe ich Retriever, egal ob Labbi oder Goldie. Und so kam ich auf Retriever and friends e.V. und wir haben uns beworben. Relativ schnell gab es eine sehr nette und informative Vorkontrolle und wir wurden als Pflegestelle genommen.

Jetzt hieß es warten bis der 1. Pflegehund einziehen würde. So einfach war es dann doch nicht, da wir null Hundeerfahrung hatten und 4 Katzen, die auch nicht hundeerprobt waren. Im August 2018 war es dann soweit: Leo zog ein.



Ein unkastrierter 11 Jahre alter Goldi, der aber bereits Katzen kannte und gut erzogen war. Nach bereits 6 Wochen hatte er seine perfekte Für-Immer-Familie gefunden.

Es war uns aber klar, dass wir weiter machen wollten. Und so zog knappe 2 Monate später Maya ein - eine etwa 3-jährige ziemlich schüchterne, aber auch sehr neugierige Labbihündin. In den guten 3 Monaten lernten wir alle sehr viel voneinander. Und auch sie fand IHRE Familie.



Aufhören wollten wir immer noch nicht und so kam als nächstes ein 14 Monate altes Goldiemädchen, Jill.



Sie war wunderschön, brauchte aber deutlich mehr Konsequenz als ihre Vorgänger und war so gar nicht spielbereit. Auch mit ihr lernten wir wieder dazu und auch sie fand nach 3 Monaten ihre Für-immer-Familie.
Auch unsere Katzen lernten mittlerweile die Hundesprache und so war es nie ein Problem... bis Leni kam, eine durchgeknallte braune Labbi-Hündin ohne Bremse.



Und wir mussten erfahren, dass für unsere Katzen Hund nicht gleich Hund ist. Da funktionierte nichts mehr, aber auch sie fand bereits nach 4 Wochen (!) IHRE Familie - zugegeben, darüber waren wir nicht wirklich unglücklich :). Aber obwohl es mit ihr viel anstrengender war, war es eine ganz ganz tolle Zeit, weil sie einfach aus 27 kg reiner Liebe bestand und das hat viel Anstrengung wett gemacht.

Ja, und dann kam Mischka (vormals Sur, kleiner Spoiler: er kam, sah und siegte).

Aber von vorne:
Nur eine Woche nach Leni zog Mischka - knappe 3 Jahre jung - bei uns ein. Bereits da hatte ich Herzchen in den Augen, genauso wie unsere Tochter. Er war schon relativ gut erzogen, sehr lieb, anhänglich und menschenbezogen. Mit 2 unserer Katzen klappte es von Anfang an und so konnten wir 2 Frauen uns vorstellen, ihn zu behalten.

Leider zog der Hausherr noch nicht so ganz und wir alle haben uns mächtig ins Zeug gelegt. Kurz vor Weihnachten dann die 1. ernsthafte Bewerbung, aber mein Mann zog immer noch nicht richtig und wir schlugen noch etwas Zeit raus, damit er während seines Urlaubs in Ruhe darüber nachdenken konnte.

Und dann kam der Heilige Abend mit Bescherung... Als alle Geschenke verteilt waren, hing noch eine einsame Karte am Baum... mein Mann wollte, dass Mischka sie mir überreicht, leider hat er immer ohne Schleife mit ihm geprobt und deshalb hat es nicht so ganz funktioniert. Aber egal, das Wichtigste war ja was drin stand: Wir werden Mischka behalten. Da habe ich dann auch erfahren, dass Mann und Tochter bereits als diese Bewerbung kam, alles mit R&F geregelt hatten - mich aber alle im Glauben gelassen haben, Mischka wäre noch in der Vermittlung, um mir diese schöne Weihnachtsüberraschung zu machen.

Und so sind wir also beim 5. Pflegehund nun zu Pflegestellenversagern geworden.


Als Fazit können wir sagen, dass es eine ganz ganz tolle Zeit war, in der wir wahrscheinlich mehr über Hunde gelernt haben, als vielleicht jemand, der ‚nur’ einen hat. Jeder war anders und brauchte etwas anderes und mit jedem wurde unsere Erfahrung größer. Und ja, bei jedem, der abgeholt wurde, hat uns das Herz ein klein wenig geblutet (mal mehr, mal weniger), aber es war immer die richtige Entscheidung, weil sich gezeigt hat, dass jeder Hund SEINE Menschen findet - so wohl auch Mischka :). Er gehört zu uns, es ist als wäre er schon immer da gewesen - er ist unser Seelenhund.



Mit allen Familien haben wir immer noch sporadisch Kontakt, bekommen Bilder und Filme unserer ehemaligen Pflegehunde. Maya hat uns sogar auch schon besucht und es war so schön zu sehen, dass sie sich wohl noch an uns erinnert, aber weiß, wo sie hingehört.

Wir wurden bei jedem Pflegehund super betreut, es gab immer ein offenes Ohr bei Fragen, die im Laufe der Zeit weniger wurden. Es waren immer sehr nette Telefonate, die wahrscheinlich schon ein wenig fehlen werden…

Aber wer weiß, viellelcht stellen wir irgendwann mal wieder ein Pflegekörbchen zur Verfügung, wenn Mischka richtig angekommen ist... :)