Magendrehung


Die Magendrehung gehört zu den dringendsten Notfällen in der Tiermedizin!!! Wie der Name schon sagt, kommt es dabei zu einer Verdrehung des Magens um seine eigene Achse. Dabei werden organversorgende Gefäße abgeschnürt und Speiseröhre (Mageneingang) und Pylorus (Magenausgang) teilweise oder völlig verschlossen. Im Magen „eingeschlossene“ Futterbestandteile gasen aufgrund von Gärungsprozessen auf, so daß sich der Magen um ein Vielfaches vergrößert und auf das Zwerchfell und andere wichtige Organe und Gefäße (vor allem die Hohlvene) drückt. Als Folge kommt es zu einer eingeschränkten Atmung und zu einer gestörten Blutzirkulation. Ein Kreislaufkollaps und das Absterben wichtiger Organbestandteile (von Magen, Milz, Bauchspeicheldrüse, Darm) sind die Folge. Eine Magendrehung kann bereits in wenigen Stunden zum Tod des Patienten führen.


Was ist die Ursache einer Magendrehung?

Die genauen Ursachen für eine Magendrehung konnten noch nicht endgültig geklärt werden. Auffällig ist jedoch, daß sie besonders häufig kurze Zeit nach der Fütterung entsteht. Bei Hunden hängt der Magen nur locker in der Bauchhöhle. Vermutet wird, daß der stark gefüllte Magen nach der Fütterung wie ein Schwingköper wirkt und bei heftigen Bewegungen (Springen, Wälzen, Treppenlaufen, Toben) eine Magenrotation begünstigt.

Die starke Magenfüllung muß aber nicht immer nur mit einer großen Futtermenge zusammenhängen. Dafür gibt es auch noch andere Möglichkeiten:

v große Futtermenge
v zu hastiges Fressen / Trinken und dadurch Abschlucken von Luft à Magen bläht auf
v bakteriell bedingte Gärung des Mageninhaltes
v kohlenhydratreiche Fütterung (viele Verdauungsgase)
v Magenentleerungsstörung in den Darm



Welche Hunde sind besonders betroffen?

Grundsätzlich kann jeder Hund eine Magendrehung bekommen. Allerdings scheint es Hunderassen zu geben, die besonders häufig betroffen sind. Das sind:

v großwüchsige Rassen (mit tiefem Brustkorb): z.B. Dobermann, Schäferhund, Dogge, Bernhardiner…
v Rüden doppelt so häufig wie Hündinnen
v ältere Hunde (> 5 Jahre)



Was sind die Symptome einer Magendrehung?

Symptome einer Magendrehung treten meist kurze Zeit nach einer Fütterung auf. Dazu zählen:

v Unruhe (anfänglich) bis hin zu panikartigen Angstzuständen
v Speicheln / Würgen / erfolgloses Erbrechen
v Nahrungsverweigerung
v plötzliches Aufblähen des Bauches (trommelartiges hohlklingendes Geräusch beim Abklopfen)
v gespannte Bauchdecke
v Bauchschmerzen (beim Abtasten, hochgewölbter Rücken)
v Atemnot
v Kreislauf-Kollaps (Hund wirkt sehr apathisch) à kann zum Tod führen



Was kann ich als Besitzer tun, wenn ich den (geringsten) Verdacht auf eine Magendrehung habe?

Þ SOFORT zum Tierarzt gehen (jede Minute zählt)!!!
Þ die Klinik / Praxis zuvor telefonisch informieren (damit vorbereitende Maßnahmen getroffen werden können)
Þ ansonsten kann man selbst leider nichts tun

Da es sich bei einer Magendrehung um einen absoluten Notfall handelt, sollte man nicht zögern, wenn man auch nur den geringsten Verdacht hat. Selbst wenn man den Tierarzt nachts aus dem Bett klingeln muß und Angst hat, mit dieser Annahme falsch zu liegen.



Wie erfolgt die Behandlung beim Tierarzt?

Eine Magendrehung muß immer operativ behandelt werden. Vor dem chirurgischen Eingriff muß allerdings erstmal für eine Druckentlastung des stark aufgegasten Magens gesorgt werden. Die Abgasung des Magens erfolgt über eine Magenpunktion (Kanüle wird durch die Bauchwand in den Magen gestochen) oder eine Nasenschlundsonde. Darüber hinaus ist die Stabilisierung des Kreislaufs durch eine sofortige Infusionstherapie (Schocktherapie) angezeigt. Danach erst erfolgt die operative Rückverlagerung des Magens in seine ursprüngliche Lage. Der Mageninhalt wird ausgepumpt oder durch einen weiteren Magenschnitt entfernt. Manchmal wird durch die Magendrehung auch die mit eingedrehte Milz so stark geschädigt, daß sie herausgenommen werden muß. Damit es nicht zu einer erneuten Magendrehung kommen kann, wird der Magen mit der Bauchwand vernäht.



Wie ist die Prognose einer Magendrehung?

Die Überlebenschance richtet sich nach drei Faktoren: Behandlungszeitpunkt, Schädigungsgrad der inneren Organe und Kreislauf-Zustand des Patienten. Je schneller eine Magendrehung behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen. Jede Minute zählt!

Sollte es zum Zeitpunkt der Operation bereits zu zum Absterben von Magen- oder Bauchwandteilen gekommen sein, sind die Überlebenschancen gering.

Auch nach einer erfolgreichen Operation können noch viele (auch tödlich verlaufende) Komplikationen auftreten. Es kann zu Herzrhythmusstörungen, Blutgerinnungsstörungen, Organfunktionsstörungen (Leber, Bauchspeicheldrüse) oder einem septischen Schock kommen. Daher wird der Patient mindestens noch 3 Tage nach der OP intensivmedizinisch überwacht.



Was kann man tun, um einer Magendrehung vorzubeugen?

v Futtermenge auf 2 bis 4 Mahlzeiten pro Tag verteilen
v abends nur noch kleine Mengen füttern
v Runterschlingen der Mahlzeit vermeiden (evtl. durch seperate Fütterung wenn man mehrere Hunde hat)
v qualitativ hochwertiges Futter füttern (da reichen kleinere Mengen)
v keine gärenden Futtermittel verwenden
v Ruhe nach den Mahlzeiten (kein oder nur mäßiges Spielen für 1 bis 2 Stunden, kein Streß, keine langen Spaziergänge)
v besondere Aufmerksamkeit bei großen Hunden mit tiefem Brustkorb